Neu-Ulm – Lebendige Gespräche, konzentrierte Aufmerksamkeit und eine Atmosphäre, die zwischen ernsthaften Inhalten und lockeren Momenten wechselte: Im OrangeCampus standen an diesem Abend Themen im Mittelpunkt, die viele Menschen in der Region direkt betreffen. Zu Gast waren Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie Neu-Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger.
Schon beim Auftakt wurde deutlich: Es ging nicht nur um einzelne Projekte oder kurzfristige Schlagzeilen, sondern um größere Linien – um Motivation, Perspektiven und die Frage, wie man in unsicheren Zeiten Fortschritt organisiert, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu verlieren.
Sport als Motor für Gemeinschaft und Chancen
Ein Schwerpunkt des Abends war die Rolle des Sports – nicht nur als Wettbewerb, sondern als Teil von Bildung, Gesundheitsförderung und sozialem Miteinander. In der Diskussion wurde betont, dass Sport Begeisterung auslösen und langfristig wirken kann: als Ausgleich zum Alltag, als Orientierung für Kinder und Jugendliche und als Ort, an dem Teamgeist und Disziplin gelernt werden.
Gleichzeitig schwang in den Aussagen auch ein Appell mit: Wenn man junge Menschen erreichen will, braucht es attraktive Angebote, gute Trainingsbedingungen und Strukturen, die Leistung ebenso fördern wie Breite. Der OrangeCampus als Trainings- und Entwicklungsort wurde dabei sinnbildlich für genau diese Idee – Sport nicht nur zu feiern, sondern ihn auch infrastrukturell möglich zu machen.
Ein besonders eindrücklicher Punkt war außerdem der Blick auf Inklusion und den Wert von sportlicher Leistung unabhängig von Voraussetzungen. Der Sport wurde als Raum beschrieben, in dem Menschen Mut, Stärke und Durchhaltevermögen zeigen – und damit ein Signal setzen können, das weit über die Arena hinausreicht.
Neu-Ulm: Innenstadt, Infrastruktur, Familien und Mobilität
Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger stellte dar, welche Themen Neu-Ulm aktuell prägen und welche Aufgaben in den kommenden Jahren im Vordergrund stehen. Genannt wurden dabei vor allem Bereiche, die viele Kommunen beschäftigen – in Neu-Ulm aber besonders sichtbar sind: die Entwicklung der Innenstadt, die Modernisierung der Infrastruktur und eine Stadtgestaltung, die auf Sicherheit, Aufenthaltsqualität und Alltagstauglichkeit zielt.
Auch Fragen rund um Familien und Betreuung spielten eine Rolle. Deutlich wurde: Der Bedarf ist hoch, der Ausbau ist ein Dauerthema – und die Stadt arbeitet daran, Angebote weiter zu verbessern, Schritt für Schritt.
Ein weiteres zentrales Feld war die Mobilität. Dabei ging es nicht nur um einzelne Linien oder Maßnahmen, sondern um das Prinzip: Wie schafft man ein System, das für Bürgerinnen und Bürger zuverlässig funktioniert, unterschiedliche Stadtteile gut verbindet und im Alltag wirklich eine Alternative bietet?
Bürokratie, Digitalisierung und Umsetzung
Sowohl auf Landes- als auch auf kommunaler Ebene war ein wiederkehrendes Stichwort: Bürokratie. In der Diskussion wurde beschrieben, wie komplex Verfahren sein können – und wie stark das Kommunen, Unternehmen und letztlich auch Bürgerinnen und Bürger belastet.
Verbunden damit war die Frage: Was kann eine Stadt selbst verändern – und wo braucht es Unterstützung durch übergeordnete Ebenen? Dabei wurde der Ansatz betont, zuerst dort anzusetzen, wo man direkt handeln kann: Standards überprüfen, Abläufe vereinfachen und Prozesse konsequent digitaler machen – ohne dabei den persönlichen Zugang zur Verwaltung komplett zu verlieren.
Gerade Digitalisierung wurde als Schlüssel genannt: Nicht als „Selbstzweck“, sondern als konkrete Entlastung im Alltag – für Menschen, die Anträge, Anliegen oder Termine lieber schnell und unkompliziert erledigen möchten.
Wirtschaft und Innovation als Standortfaktor
Ein weiterer Teil des Abends widmete sich der wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort. Im Fokus standen dabei nicht nur große Namen, sondern auch die Basis einer Region: Handwerk, Mittelstand und Betriebe, die seit Jahren tragen, ausbilden und Arbeitsplätze sichern.
Thematisiert wurde außerdem, dass moderne Wirtschaftsförderung heute mehr bedeutet als Flächen – sie hängt auch mit Technologie, Innovation und Qualifizierung zusammen. Gerade für eine Region mit Hochschule, Unternehmen und jungen Ideen sei es wichtig, Perspektiven zu schaffen, die neue Branchen anziehen und bestehende Betriebe in ihrer Weiterentwicklung unterstützen.
Politik näher an die Menschen bringen – auch über Social Media
Auch das Thema Kommunikation kam zur Sprache: Wie erreichen Politik und Verwaltung die Menschen – und vor allem die jüngeren Generationen? Dabei wurde betont, dass sich Informationswege verändert haben und Social Media längst ein fester Bestandteil politischer Öffentlichkeit ist.
Gleichzeitig ging es um Verantwortung: um Umgangston, Jugendschutz und die Frage, wie demokratische Debatte in digitalen Räumen gelingen kann, ohne dass Radikalisierung, Aggression und Verzerrungen den Ton bestimmen. Der Tenor: Demokratie muss sichtbar bleiben – auch online.
Ein Abend mit klaren Worten und menschlichen Momenten
Zwischen ernsten Themen gab es auch lockere Passagen – persönliche Einblicke, kleine Anekdoten und humorvolle Momente, die die Diskussion auflockerten. Genau dieser Wechsel machte den Abend für viele Gäste greifbar: Politik nicht nur als Programmsatz, sondern als Gespräch über Lebensrealität – über das, was funktioniert, was schwer ist und was besser werden soll.

