Ulm steht vor einer Herausforderung: Die Vitalität des vielfältigen Vereinslebens, ein Eckpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts, hängt zunehmend vom Engagement neuer Generationen ab. Viele Ulmer Vereine kämpfen darum, junge Mitglieder und Ehrenamtliche zu gewinnen, um Traditionen fortzuführen und neue Impulse zu setzen.
Von den Sportvereinen entlang der Donau bis zu den Kulturtreibenden im malerischen Fischerviertel – Ulms Vereinslandschaft ist ein Spiegelbild der Stadt. Sie bietet Freizeitmöglichkeiten, fördert lokale Bräuche und ist oft die erste Anlaufstelle für soziale Integration. Doch der demografische Wandel und veränderte Lebensstile hinterlassen auch hier ihre Spuren. Langjährige Mitglieder und Vorstände, die über Jahrzehnte hinweg das Vereinsleben geprägt haben, treten allmählich kürzer. Der Nachwuchs fehlt vielerorts.
Diese Entwicklung betrifft nicht nur die großen Sportclubs oder die traditionsreichen Schützenvereine, sondern auch kleinere Initiativen, die sich um Umweltschutz, Stadtteilentwicklung oder soziale Projekte kümmern. Veranstaltungen wie das jährliche Fischerstechen oder die unzähligen Sommerfeste, die maßgeblich von ehrenamtlichen Helfern getragen werden, könnten in Zukunft vor Personalnöten stehen. Die Überalterung der Mitgliederstrukturen birgt die Gefahr, dass wertvolles Wissen und Engagement verloren gehen, wenn keine kontinuierliche Übergabe stattfindet.
Die Stadtverwaltung Ulm und verschiedene Dachorganisationen erkennen die Brisanz der Lage und suchen nach Wegen, das Ehrenamt attraktiver zu gestalten. Workshops zur digitalen Kommunikation, flexible Engagement-Modelle und gezielte Förderprogramme sollen Vereinen helfen, sich zu modernisieren und gezielt jüngere Zielgruppen anzusprechen. Es geht darum, nicht nur neue Mitglieder zu gewinnen, sondern auch die Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche zu verbessern, etwa durch die Anerkennung ihrer Leistungen und eine Entlastung von bürokratischen Hürden.
Um Ulms reiches Vereinsleben auch für zukünftige Generationen zu sichern, ist ein Umdenken gefragt. Vereine müssen offen für neue Ideen sein, ihre Angebote an aktuelle Interessen anpassen und aktiv auf junge Menschen zugehen. Gleichzeitig sind die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, sich zu engagieren – sei es als aktives Mitglied, im Vorstand oder als helfende Hand bei Veranstaltungen. Nur so kann die lebendige Gemeinschaft, die Ulm auszeichnet, weiterhin gedeihen und der Stadt ihren unverwechselbaren Charakter bewahren.
Ulm TV Redaktion

