Der Chef der Europäischen Weltraumagentur ESA, Josef Aschbacher, hat das von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron formulierte Ziel, Europa müsse binnen zehn Jahren eine eigene bemannte Mission zum Mond schaffen, zurückgewiesen.
In zehn Jahren sei es möglich, europäische Astronauten in den Weltraum zu bringen, sagte Aschbacher der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagausgabe). „Nicht zum Mond, sondern zunächst zum Low Earth Orbit, also in eine erdnahe Umlaufbahn, zu einer Raumstation“, erklärte der ESA-Chef. „Das ist eine Vorstufe für einen Flug zum Mond und darüber hinaus.“
Im geglückten Start der Rakete von Isar Aerospace sieht der ESA-Chef „einen sehr großen symbolischen Wert“, zumal das Ereignis unmittelbar vor dem Weltraumgipfel in Paris stattfand. Das Münchner Start-up werde „noch einmal 200 Millionen Euro für die weitere Entwicklung“ bekommen.
Das Treffen in der französischen Hauptstadt mit rund 2.000 Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft, das Europas Weltraumambitionen einen Schub verschaffen soll, war aus Sicht Aschbachers erfolgreich. „Europa wacht jetzt auf“, sagte er. Bisher hätten die USA fünfmal mehr für ihre Aktivitäten im Weltall investiert, aber nun würden auch in Europa mehr Mittel zur Verfügung gestellt, um in Konkurrenz mit den USA und China treten zu können.
Der ESA-Chef sprach sich für klare Regeln im Weltraum wie beim Flugverkehr aus – was die USA ablehnen. Dass auf Druck des Weißen Hauses Branchengrößen wie Elon Musks Space X ihre Teilnahme abgesagt haben, wertet Aschbacher nicht als Zeichen für eine generelle Verweigerung. Auf der praktischen Ebene funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA sehr gut.
Aschbacher beschrieb, dass die ESA ein „Beobachtungssystem mit hochauflösenden Satelliten“ aufbaut, um der hybriden Bedrohung durch Russland etwas entgegenzusetzen. So könnten vielleicht Vorfälle wie in Leipzig verhindert werden. „Im Idealfall könnte man 2030 alle 20 bis 30 Minuten von jedem Ort der Welt ein Bild bekommen und sogar automatisch mit künstlicher Intelligenz erkennen, wenn sich irgendwas Verdächtiges bewegt“, sagte er. „Wir haben bereits 1,2 Milliarden Euro für dieses Programm bekommen. Aber klar ist, es braucht noch Zeit, bis ein volloperationelles System aufgebaut ist.“
dts Nachrichtenagentur


