**Die Stadt Ulm leitet umfassende Maßnahmen zur Sanierung der Entwässerungssysteme im traditionsreichen Fischerviertel ein. Ziel des Großprojekts ist der langfristige Schutz der historischen Bausubstanz vor zunehmenden Starkregenereignissen.**
**Notwendigkeit der Modernisierung**
In einer richtungsweisenden Sitzung hat der Ulmer Gemeinderat den Weg für eine tiefgreifende Erneuerung der unterirdischen Infrastruktur im Fischerviertel geebnet. Angesichts der klimatischen Veränderungen und der damit verbundenen Zunahme von extremen Wetterphänomenen sieht die Stadtverwaltung dringenden Handlungsbedarf. Die bestehenden Kanäle, die teilweise noch aus dem vergangenen Jahrhundert stammen, sind den Wassermassen bei plötzlichen Wolkenbrüchen nicht mehr gewachsen. Um die Integrität der denkmalgeschützten Fachwerkhäuser zu bewahren, soll ein hochmodernes Abführsystem installiert werden, das speziell auf die topographischen Besonderheiten des Viertels zugeschnitten ist.
**Technische Herausforderungen im historischen Kern**
Die baulichen Gegebenheiten im Fischerviertel stellen die Ingenieure vor immense Aufgaben. Da die Gassen extrem schmal sind und das Viertel direkt an die Donau und das Flüsschen Blau grenzt, können keine Standardverfahren angewendet werden. Die Arbeiten müssen mit äußerster Präzision durchgeführt werden, um die empfindlichen Fundamente der historischen Gebäude nicht zu gefährden. Geplant ist der Einsatz von speziellen Mikro-Tunnelbaumaschinen, die sich unter den Gehwegen durchgraben, ohne die Oberfläche großflächig aufreißen zu müssen. Dies minimiert die Erschütterungen und schont die jahrhundertealte Bausubstanz, die das Gesicht der Ulmer Altstadt prägt.
**Finanzierung und zeitlicher Rahmen**
Das Investitionsvolumen für dieses Jahrhundertprojekt wird auf rund 14,5 Millionen Euro taxiert. Davon übernimmt das Land Baden-Württemberg einen signifikanten Anteil im Rahmen der Städtebauförderung. Der offizielle Baubeginn ist für den Spätsommer 2026 angesetzt, wobei die Vorbereitungen bereits in den kommenden Wochen anlaufen werden. Man rechnet mit einer Gesamtdauer der Maßnahme von etwa drei Jahren. Die Stadt betont, dass die Investition alternativlos sei, da die potenziellen Schäden durch ein schweres Hochwasser die Sanierungskosten bei weitem übersteigen würden. Ein modernes Rückhaltesystem soll zudem die Belastung der Kläranlagen reduzieren.
**Auswirkungen auf Anwohner und Tourismus**
Für die Bewohner und Gewerbetreibenden im betroffenen Gebiet bedeutet die Sanierung eine Zeit der Umstellung. Die Stadtverwaltung hat jedoch ein umfassendes Kommunikationskonzept entwickelt, um die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten. Der Zugang zu den beliebten Restaurants und Sehenswürdigkeiten soll während der gesamten Bauzeit für Fußgänger gewährleistet bleiben. Auch der Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Ulm, soll durch eine geschickte Taktung der Bauabschnitte nicht nachhaltig beeinträchtigt werden. Regelmäßige Bürgerversammlungen sind geplant, um über den aktuellen Fortschritt und eventuelle Sperrungen zeitnah zu informieren.
**(Ulm TV Redaktion)**

