Der geplante Ausbau der Straßenbahnlinie im Ulmer Norden sorgt für hitzige Diskussionen im Stadtrat und unter Bürgern. Kosten und Trassenführung stehen im Mittelpunkt der Debatte um das Millionenprojekt.
Die geplante Erweiterung der Ulmer Straßenbahn in Richtung Oberer Eselsberg und die Anbindung neuer Wohngebiete sowie Forschungseinrichtungen der Wissenschaftsstadt erhitzt derzeit die Gemüter im Ulmer Stadtrat. Während Befürworter die Notwendigkeit einer zukunftsfähigen Mobilität betonen, wachsen bei anderen Fraktionen die Bedenken hinsichtlich der immensen Kosten und der genauen Trassenführung.
Konkret geht es um die Verlängerung der Linie 2 über die Universität hinaus, um den stark wachsenden Bereich um den Science Park III und weitere Entwicklungsvorhaben effizient anzubinden. Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU Verkehr) präsentierten jüngst Machbarkeitsstudien, die verschiedene Optionen aufzeigen. Diskutiert wird dabei unter anderem eine Trassenführung entlang der Mähringer Straße oder über alternative Wege, die auch die nördlichen Wohngebiete wie Lehr und Mähringen besser erschließen könnten. Die Investitionssumme wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt, was die Haushaltsberatungen stark beeinflusst.
Grüne und SPD betonen die ökologischen Vorteile und die Notwendigkeit, dem steigenden Verkehrsaufkommen durch den Zuzug von Forschenden und Studierenden Herr zu werden. Sie sehen den Ausbau als essenziellen Baustein für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Die CDU-Fraktion und Teile der FDP mahnen hingegen zur Vorsicht. Sie fordern eine detailliertere Kosten-Nutzen-Analyse und hinterfragen, ob die hohen Investitionen angesichts anderer dringender Projekte wie der Sanierung von Schulen und dem Wohnungsbau gerechtfertigt sind. Auch Bürgerinitiativen, vor allem aus den betroffenen Stadtteilen, äußern Bedenken bezüglich Lärmbelästigung und Eingriffen in das Stadtbild.
Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch hat angekündigt, das Thema in den kommenden Wochen erneut auf die Tagesordnung zu setzen, um eine breite Konsensfindung zu ermöglichen. Es sind weitere Bürgerinformationsveranstaltungen geplant, um die Anliegen der Anwohner direkt aufzunehmen. Eine Entscheidung über die endgültige Trassenführung und den Baubeginn wird voraussichtlich nicht vor dem kommenden Jahr fallen, da die Finanzierung und die genaue Planung noch viele offene Fragen bergen. Die Debatte verspricht, ein zentrales Thema der Ulmer Kommunalpolitik zu bleiben.
(Ulm TV Redaktion)

