Irland verkündet als erstes EU-Land zweiten Corona-Lockdown

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Im Kampf gegen die zweite Welle der Corona-Pandemie kehrt Irland als erstes EU-Land in den Lockdown zurück. Von Mittwoch an gilt in Irland eine sechswöchige Ausgangssperre, wie Ministerpräsident Micheal Martin mitteilte. Die norditalienische Region Lombardei verhängte derweil eine nächtliche Ausgangssperre, in Spanien werden mehrere Gebiete mit besonders hohen Fallzahlen abgeriegelt. Britische Forscher kündigten an, sie wollten im Kampf gegen das Virus gezielt Freiwillige infizieren.

“Jeder im Land wird aufgefordert, zu Hause zu bleiben”, sagte Martin in einer Fernsehansprache. Die Menschen in Irland dürften sich nur noch fünf Kilometer von ihrem Wohnort weg bewegen. 

Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen sollen dennoch geöffnet bleiben, “weil wir nicht zulassen können und wollen, dass die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen ein weiteres Opfer dieser Krankheit wird”, sagte Martin. Alle nicht notwendigen Geschäfte in Irland müssen hingegen schließen. Restaurants und Bars dürfen nur noch Außer-Haus-Service anbieten. 

Auch die Lombardei sah sich zu strikteren Maßnahmen gezwungen. Ab Donnerstag müssen die Menschen in der norditalienischen Region von 23.00 Uhr bis 05.00 Uhr zu Hause bleiben. Ausnahmen sind aus medizinischen oder beruflichen Gründen möglich.

Die nächtliche Ausgangssperre soll bis zum 13. November dauern, es ist die strikteste Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Italien seit dem Ende des im Frühling verhängten nationalen Lockdown. “Das ist eine angemessene und symbolisch bedeutsame Initiative, die keine besonders ernsten wirtschaftlichen Folgen haben dürfte”, sagte Regionalpräsident Attilio Fontana der Zeitung “La Repubblica” vom Dienstag.

Die Lombardei ist derzeit wie schon zu Beginn der Pandemie Italiens am schwersten betroffene Region. Am Montag meldete sie mit 1687 Fällen die landesweit höchste Zahl an Neuinfektionen, die am zweitschwersten betroffene Region ist das süditalienische Kampanien mit 1593 Fällen. Dort kündigte Regionalpräsident Vincenzo De Luca eine nächtliche Ausgangssperre ab dem Wochenende an, machte aber keine Angaben zur Dauer der Maßnahme.

In Spanien werden als Schutzmaßnahme immer mehr Orte abgeriegelt. Ab Donnerstag sind in der nordöstliche Region Navarra Ein- und Ausreisen nur noch aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen oder zum Besuch von Bildungseinrichtungen erlaubt. Bars und Restaurants müssen geschlossen bleiben und die Geschäfte um 21.00 Uhr schließen. In der an Frankreich grenzenden Region leben 660.000 Menschen. 

“Wir wollen nicht warten, bis es zu spät ist”, begründete Regionalpräsidentin María Chivite am Montag die Maßnahmen. In Navarra wurden in den vergangenen 14 Tagen 945 Corona-Ansteckungen pro 100.000 Einwohner registriert, landesweit waren es 312 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. 

Auch in zahlreichen anderen spanischen Orten wie Madrid und Burgos ist die Bewegungsfreiheit der Bürger eingeschränkt. Mit 975.000 nachgewiesenen Infektionen und fast 34.000 Toten zählt Spanien zu den am schwersten von der Pandemie getroffenen Ländern Europas.

Im Nachbarland Portugal will die Regierung die Pandemie mit einer Pflicht zum Herunterladen der Corona-Warnapp eindämmen. Wegen Kritik von Datenschützern und Medizinern wurde die für Freitag geplante Parlamentsabstimmung darüber aber vertagt.

In Frankreich ist wegen der Pandemie die Patientenzahl auf den Intensivstationen stark gestiegen. Die Gesundheitsbehörden teilten am Montag mit, 2090 Intensivbetten seien derzeit mit Corona-Patienten belegt – 1441 mehr als vor einer Woche. Im Großraum Paris stieg die Auslastung der Intensivbetten demnach auf 50 Prozent.

Wissenschaftler des Londoner Imperial College und anderer Einrichtungen kündigten am Dienstag an, mit einer gezielten Corona-Infektion von jungen, gesunden Freiwilligen zur Eindämmung der Pandemie beitragen zu wollen. Die Studie soll Anfang kommenden Jahres beginnen und zeigen, ab welcher Viruslast ein Mensch an Covid-19 erkrankt. Die genaue Beobachtung der Immun-Antwort der Probanden soll dann bei der Entwicklung von Therapien und Impfstoffen helfen.

© Agence France-Presse

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