Friedrich Merz, Vorsitzender der CDU, hat erhebliche Bedenken hinsichtlich des gemeinsamen deutsch-französisch-spanischen Kampfjet-Projekts FCAS geäußert. Das Rüstungsvorhaben, dessen Kosten sich auf geschätzte 100 Milliarden Euro belaufen, stehe mehr denn je auf dem Prüfstand, so Merz. Er stellte die grundsätzliche Notwendigkeit eines bemannten Kampfflugzeugs in 20 Jahren in Frage und betonte die massiven Kosten einer solchen Entwicklung.
Die Hauptursache für Merz‘ Zweifel liegt in den fundamental unterschiedlichen militärischen Anforderungen Deutschlands und Frankreichs, die bisher nicht ausreichend geklärt wurden. Frankreich benötige für die nächste Generation von Kampfflugzeugen ein atomwaffenfähiges und trägergestütztes Modell, was für die Bundeswehr derzeit nicht relevant sei. Merz hob hervor, dass Frankreich das Flugzeug praktisch auf seine eigenen Spezifikationen ausrichten wolle, welche jedoch nicht mit denen Deutschlands übereinstimmen. Dies sei kein politischer Konflikt, sondern ein ernsthaftes Problem im Anforderungsprofil, das gelöst werden müsse, um das Projekt fortzuführen.
Die anhaltenden Forderungen des französischen Rüstungskonzerns Dassault nach einer klaren Führungsposition im Konsortium mit Airbus hatten das Projekt bereits mehrfach ins Wanken gebracht und zu wiederholten Verzögerungen geführt. Eine Regierungsentscheidung der beteiligten Länder – Deutschland, Frankreich und Spanien – wird noch im Februar erwartet. Als mögliche Lösung wird diskutiert, ein gemeinsames Luftkampfsystem zu entwickeln, aber zwei getrennte Kampfflugzeuge zu bauen.
Sollte Deutschland zu dem Schluss kommen, ein eigenes Kampfflugzeug zu benötigen, würde es sich nach anderen Kooperationspartnern umsehen. Hierbei werden das britisch-italienische Konkurrenzprojekt GCAP sowie der schwedische Hersteller Saab als potenzielle Partner genannt. Merz betonte, dass seine Forderung nach Standardisierung und Größenvorteilen in der Rüstung nicht bedeute, dass es nur ein einziges Kampfflugzeug in ganz Europa oder der NATO geben solle.
Ulm TV Nachrichten

