Die Ulmer Wirtschaft zeigt sich zu Beginn des Jahres 2026 vorsichtig optimistisch, wenngleich weiterhin erhebliche Herausforderungen bestehen bleiben. Dies geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm hervor, deren abschließende Auswertung derzeit erfolgt. Die Stimmungslage der regionalen Betriebe lässt sich als eine Mischung aus Hoffnung und anhaltenden Sorgen zusammenfassen.
Laut den vorläufigen Ergebnissen der IHK-Umfrage bewerteten 35 Prozent der Mitgliedsbetriebe ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut, während 23 Prozent sie als schlecht einstuften. Hauptgeschäftsführerin Petra Engstler-Karrasch berichtet zudem von einem leicht geringeren Auftragsrückgang in der Industrie im Vergleich zum Herbst des Vorjahres. Auch aus dem Einzelhandel kämen Signale, dass das Weihnachtsgeschäft „nicht ganz schlecht“ verlaufen sei, was auf eine leichte Erholung hindeutet.
Als positive Impulse für die regionale Wirtschaft identifiziert die IHK insbesondere die steigenden Staatsausgaben sowie die Investitionen in die Infrastruktur. „Inzwischen kommt das in der Wirtschaft an, das hilft sehr“, kommentiert Engstler-Karrasch die Wirkung dieser Maßnahmen.
Trotz dieser positiven Aspekte sehen sich die Unternehmen in Ulm und Umgebung weiterhin mit einer Reihe von Belastungen konfrontiert. Zu den größten Sorgenfaktoren zählen unverändert die hohen Energiekosten am Standort, der persistente Fachkräftemangel sowie die allgemeine Wirtschaftspolitik. Eine neue Entwicklung stellt die zunehmende Besorgnis über geopolitische Spannungen dar: Erstmals geben in der IHK-Umfrage vier von zehn Unternehmen an, dieses Risiko als relevant zu betrachten.
Ein entscheidender Faktor, der dem Standort Ulm in diesen unsicheren Zeiten zugutekommt, ist laut der Hauptgeschäftsführerin der breite Branchenmix der Region. Dieser ermögliche eine gewisse Resilienz gegenüber branchenspezifischen Schwankungen, was sich besonders im Vergleich zu stärker spezialisierten Wirtschaftsräumen zeige.
Ein differenziertes Bild zeichnet sich auch innerhalb der Metall- und Elektroindustrie ab, wie Götz Maier, Geschäftsführer der Südwestmetall in Ulm, erläutert. Während Rüstungsfirmen „sehr positive Aussichten“ verzeichnen, müsse der Maschinenbau genauer betrachtet werden. Hier gehe es Firmen, die in den Bereichen Pharma, Medizin- oder Elektrotechnik tätig sind, teilweise gut, jedoch nicht flächendeckend. Auch die Automobilindustrie und ihre Zulieferbetriebe befinden sich inmitten eines tiefgreifenden Transformationsprozesses hin zur Elektromobilität, dessen Erfolg stark von der jeweiligen Positionierung der Unternehmen abhängt.
Insgesamt spiegelt die Ulmer Wirtschaft eine vorsichtige Erwartungshaltung wider. Die positiven Effekte staatlicher Investitionen und der robuste Branchenmix bieten Grund zur Hoffnung, doch die anhaltenden Herausforderungen durch hohe Kosten, Arbeitskräftemangel und geopolitische Unsicherheiten bleiben bestimmende Faktoren für das Wirtschaftsjahr 2026.
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